
„Es macht wirklich einen großen Unterschied, ob wir hier sind oder nicht.“
Elisabeth Stuber, Pädagogische Leitung Behindertenbereich SeneCura Sozialzentrum Frauenkirchen
Elisabeth Stuber ist in Wien aufgewachsen und hat dort Sonder- und Heilpädagogik studiert. Schon als Schülerin hatte sie ein feines Gespür für soziale Ungleichheiten: Es störte sie, wenn beim Volleyball immer dieselben Kinder als Letzte in die Mannschaft gewählt wurden. Diese Sensibilität prägt ihre Arbeit bis heute. Im SeneCura Sozialzentrum Frauenkirchen begleitet sie Menschen mit Beeinträchtigung und gestaltet als Pädagogische Leiterin deren Lebensumfeld mit.


Interview mit Elisabeth Stuber
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Mehr InformationenVon der Theaterbegeisterung zur Pädagogik
Eigentlich wollte Elisabeth Stuber nach der Schule zum Theater und Regie führen. Literatur, Verfilmungen und Inszenierungen faszinierten sie. Ihr Weg führte sie schließlich an die Universität Wien und ins Institut Keil, wo sie zuerst als Praktikantin und dann als Integrationspädagogin tätig war.
Die 1980er-Jahre erlebte sie als Zeit großer Aufbruchstimmung. Sie war dabei, als die ersten integrativen Kindergruppen in Wien entstanden, leitete eine Vorschule für Kinder mit Beeinträchtigungen und engagierte sich in Arbeitskreisen und bei Aktionen wie einem Sitzstreik vor dem Rathaus. Die Entwicklung von Integration und später Inklusion sowie die Behindertenrechtskonvention sind für sie wichtige Meilensteine. Sie erlebte, wie viel sich gemeinsam bewegen lässt.
„Mein Motor war immer, Menschen, die eine Beeinträchtigung haben, zu einem Leben zu begleiten, das sie erfüllt, das sie in ihrem Lebenssinn stärkt, in ihrer Individualität stärkt.“
Neue Möglichkeiten bei SeneCura
Mit knapp 40 Jahren entschied sich Elisabeth Stuber, die Großstadt zu verlassen, und zog mit ihrer Familie nach Frauenkirchen. In der SeneCura Wohngemeinschaft konnte sie einen Bereich kennenlernen, der ihr im bisherigen Berufsleben noch gefehlt hatte: die Wohnbetreuung. Bereits ein Jahr später bekam sie die Möglichkeit, die pädagogische Leitung zu übernehmen.
Seither durfte sie viele Entwicklungen mitgestalten. Menschen über längere Zeit zu begleiten und mitzuerleben, wie sie erwachsen und älter werden, erfüllt sie mit großer Freude. Besonders stolz ist sie auf ihr Team, das mit derselben Haltung an die Arbeit herangeht.


Ein neues Zuhause gemeinsam gestalten
Zu ihren eindrücklichsten Erinnerungen zählt der Umbau des alten Pflegeheims zu einer Wohngemeinschaft für Menschen mit Beeinträchtigung. Die bestehende WG musste übersiedeln, Räume wurden neu gestaltet und Möbel rechtzeitig bestellt. Eine große logistische Herausforderung, an die sie gerne zurückdenkt: „Es hat super funktioniert.“
Zusammenhalt, der durch schwere Zeiten trägt
Besonders gefordert war das Team während der Pandemie 2020 und 2021. Bewohner:innen, die sich zuvor Schritt für Schritt Selbstständigkeit erarbeitet hatten, durften plötzlich nicht mehr allein einkaufen oder im Ort spazieren gehen. Für sie waren diese Einschränkungen kaum zu verstehen. Die Mitarbeitenden gestalteten den Alltag trotzdem kreativ, unterhaltsam und sinnvoll. Diese Zeit und der Weg zurück kosteten viel Kraft und „ war nur mit Zusammenhalt in den Teams möglich und mit Verständnis füreinander“, erinnert sich Elisabeth Stuber.


Im Garten und mit Hunden abschalten
Die pädagogische Arbeit verlangt viel Planung, Konzentration und Reflexion. Sie fordert mental ebenso wie körperlich. Umso wichtiger sind Elisabeth Stuber bewusst geschaffene Freiräume, in denen andere Themen Platz haben.
Im Garten gelingt ihr das besonders gut: in der Erde wühlen, mit Schaufel und Pflanzen arbeiten. „Da geht mir das Herz auf“, erzählt sie. Ein zweites Standbein hat sie sich ehrenamtlich als Hundetrainerin aufgebaut. Auch dabei ist sie ganz im Moment und kann abschalten.
Mitgestalten, mitreden und sichtbar sein
Nähe am Menschen bedeutet für Elisabeth Stuber, dass alle ihren Beitrag leisten können: ob sie hier wohnen, betreut werden oder arbeiten. Ihre Wünsche und Ideen wahrzunehmen, braucht Geduld, Sensibilität und genaues Hinschauen.
Auch die Sichtbarkeit in der Gesellschaft ist ihr wichtig. Beim Einkaufen, Spazierengehen und bei Projekten sind die Klient:innen Teil des Lebens in Frauenkirchen. Die Bevölkerung begegnet ihnen offen. Für Elisabeth Stuber verändern diese Begegnungen das Miteinander und zeigen, wie wertvoll die Beiträge jedes einzelnen Menschen sind.
„Eine Gesellschaft wird sensibler und weicher und warmherziger, wenn sie beginnt, auf die Schwächsten achtzugeben“, ist sie überzeugt. Deshalb ist sie sich sicher: „Es macht wirklich einen großen Unterschied, ob wir hier sind oder nicht.“


Im Behindertenbereich des SeneCura Sozialzentrums Frauenkirchen im Burgenland bieten wir Tagesbeschäftigung und Wohnbetreuung an. Wir unterstützen und betreuen Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen so, dass sie ihre Entscheidungen möglichst selbst treffen und ihr Leben nach Möglichkeit selbstbestimmt gestalten können.