Schmerzfreies Pflegeheim

Rund 1,7 Millionen ÖsterreicherInnen leiden an chronischen Schmerzen. Bei PflegeheimbewohnerInnen sind es etwa 60 - 80%. Gerade die ältere Generation ist oft aufgrund kognitiver Beeinträchtigungen nicht mehr fähig, Schmerz zu äußern oder nimmt den Schmerz als „gottgewollt“ hin. Das hat weitreichende Folgen für die Lebensqualität. Depressionen können eintreten und akuter Schmerz kann unbehandelt chronifizieren. SeneCura ist der Ansicht: Schmerz muss nicht sein! Daher startete die Gruppe im Herbst 2011 ein gemeinsames Projekt mit der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg zu Schmerzerkennung, -management und -vermeidung bei älteren Menschen: „Schmerzfreies Pflegeheim“.

Das dreijährige Forschungsprojekt mit dem wissenschaftlichen Titel „Optimierung des Schmerzmanagements in Altenpflegeheimen“ (OSiA) analysierte vorerst in zwölf SeneCura Häusern in ganz Österreich das bestehende Schmerzmanagement und seine Effizienz. Für Anfang 2015 ist die Zweiterhebung geplant – dann soll der positive Effekt der implementierten Maßnahmen erhoben werden. Sämtliche Ergebnisse werden öffentlich zugänglich gemacht. So werden auch andere Einrichtungen und somit Pflegebedürftige in ganz Österreich profitieren.

Evaluationsstudie in zwölf Einrichtungen

Die einzelnen Schritte des Forschungsprojektes sind eine genaue Analyse der Ausgangssituation in den SeneCura Häusern, die Ableitung von Optimierungspotenzialen – daraus Planung und Durchführung von Interventionen – und die Evaluation der Situation nach der Intervention. Die Schmerzerfassung ist der erste wesentliche Schritt für die Einleitung angemessener schmerztherapeutischer Interventionen. Hier ist zu bedenken, dass ältere Menschen im Pflegeheim teilweise unter kognitiven Einschränkungen leiden. Gerade bei dementen BewohnerInnen kann nicht grundsätzlich davon ausgegangen werden, dass sie ihren Schmerz selbst einschätzen und beschreiben können. Daher wurde im Rahmen der Studie eine Stichprobe mit Pflegenden und BewohnerInnen anhand quantitativer Instrumente zu Schmerz befragt und gleichzeitig wurden schmerzrelevante medizinische Daten erhoben.

Verbesserungspotential bei Schmerzsituation

Bei der Erfassung der Schmerzsituation in Österreichs Pflegeheimen wurden sowohl kognitiv leistungsfähige, als auch kognitiv beeinträchtige Personen berücksichtigt. Das Ergebnis: Rund 50 bis 80 % der PflegeheimbewohnerInnen haben Schmerzen. Dabei ist die Ansicht, dass Schmerzen im Alter einfach dazugehören, weit verbreitet (68 %). Zusätzlich haben über 40 % zugegeben, schon einmal Schmerzen verschwiegen zu haben – vor allem, um den Pflegenden nicht zur Last zu fallen. „Die Ergebnisse sprechen klare Worte“, so Prof. Rudolf Öhlinger, SeneCura Geschäftsführer. „Eine umfassende Offensive rund um das Schmerzmanagement war in Österreich längst überfällig. Besonders freut mich, dass wir zahlreiche Optimierungspotenziale orten konnten. Diese werden wir nun in einem weiteren Schritt flächendeckend in allen SeneCura Häusern umsetzen.“ Mit der abgeschlossenen Schmerzerfassung in zwölf SeneCura Pilot-Häusern im Jahr 2012 wurde der erste Schritt für die Einleitung angemessener schmerztherapeutischer Interventionen gesetzt.

Medikamentenmanagement und Einbindung der Pflegenden

Auch das Medikamentenmanagement wurde umfassend erhoben. Es hat sich gezeigt, dass die Versorgung mit Analgetika sehr unterschiedlich gehandhabt wird. „Auch wenn rund 76 % des befragten diplomierten Pflegepersonals angeben, Kooperationen mit Apotheken und pharmazeutischen ExpertInnen zu pflegen, gibt es hier noch Raum nach oben. Optimierungspotential ergab sich außerdem bei der Schmerzmittelversorgung sowie der Verfügbarkeit von Ärzten in akuten Schmerzsituationen am Wochenende“, erklärt  Univ.-Prof. Dr. Dr. h.c. Jürgen Osterbrink, Projektleiter und Vorstand des Instituts für Pflegewissenschaft an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg. Öhlinger ergänzt: „Das größte Optimierungspotential haben wir aber bei der Weiterbildung der Pflegenden geortet: Pflegende sollten intensiver als bisher in die Schmerztherapie eingebunden werden und sind dazu laut Befragung auch gerne bereit. Aus diesem Grund haben wir bereits in zwölf SeneCura Häusern – als erster und einziger Pflegeheimbetreiber in ganz Österreich – insgesamt 100 Pain Nurses  ausgebildet. Weitere Ausbildungen und die Weitergabe des Wissens in den Häusern sind ebenso geplant.“ 

Fokus auf ethische Prinzipien

Die Datenerhebung beinhaltet Selbst- und Fremdeinschätzungen, und auch die Beobachtung durch das Projektteam. Selbstverständlich müssen die Befragten vorab ihr schriftliches Einverständnis abgeben, und auch alle weiteren ethischen Grundsätze werden genauestens befolgt und extern überprüft. Berücksichtigt werden die Anonymität der TeilnehmerInnen, ihre informierte Zustimmung, die Freiwilligkeit, das Recht auf Abbruch der Teilnahme sowie der Schutz vor Schäden. Die TeilnehmerInnen sind älter als 60 Jahre, nehmen Langzeitpflege in Anspruch, sind nicht in akuten Erkrankungssituationen oder geistig mehrfach behindert.

Unabhängiger Schmerzbeirat

Um das mehrjährige Projekt wissenschaftlich bestmöglich zu begleiten, hat SeneCura einen eigenen Schmerzbeirat konstituiert, mit dabei: Univ.-Prof. Dr. Dr. h.c. Jürgen Osterbrink, Prim. ao. Univ. Prof. Dr. Christian Lampl, o.Univ.-Prof. DDr. med. Hans Georg Kress und Dr. Doris Pfabigan. Die unabhängigen WissenschafterInnen aus den Bereichen Interdisziplinäre Ethik, Geriatrie, Schmerzforschung und Pflegewissenschaft tauschen sich regelmäßig über die Projektfortschritte aus und bringen ihre externe Expertise ein.